Wie wird man Steuerberater, Walter Knoll?

FIDARO
0 Kommentare
FIDARO Sparring

Mit den Reaktionen die der Name Walter Knoll auslöst, verhält es sich ähnlich wie mit einem Teenie-Idol: Ein großer Teil aller Deutschen weiß damit nichts anzufangen oder verbindet ihn allenfalls mit der gleichnamigen Möbelmarke. Bei den übrigen 0,1% hingegen, um genau zu sein den 80.946 zugelassenen Steuerberatern in Deutschland, sorgt der Name hingegen für ein ehrfürchtiges Raunen.

Walter Knoll ist Gründer des Steuerrechts-Institut KNOLL welches seit 1988 über 10.000 Bewerber auf die Steuerberaterprüfung vorbereitet hat. Diese ist eine der schwierigsten Berufszugangsprüfungen in Deutschland und liegt mit einer Durchfallquote von 41,3% (Steuerberaterprüfung 2013/2014) deutlich über den Durchfallquoten der Juristen oder Ärzte. Wir haben Walter Knoll, der aus dem Unternehmen mittlerweile ausgeschieden ist, zum Interview gebeten um ihm die alles entscheidende Frage zu stellen: Wie bestehe ich die Steuerberaterprüfung?

FIDARO: Herr Knoll, Sie waren bereits 52 Jahre alt, als Sie sich, als gelernter Jurist, mit einer Steuerfachschule selbständig gemacht haben. Wie kam es dazu?
Walter Knoll: Da muss ich ein bisschen ausholen, wenn es Ihnen Recht ist.

FIDARO: Sehr gerne
Walter Knoll: Wie Sie schon erwähnt haben, bin ich ursprünglich nach dem zweiten Staatsexamen im Frühjahr 1965 als Jurist in den Dienst des Freistaats Bayern eingetreten. Eigentlich war es mein Ziel, etwa drei Jahre im Staatsdienst zu verbringen und mich anschließend als Rechtsanwalt und Steuerberater selbständig zu machen. Nach meiner Assessorenzeit bin ich Sachgebietsleiter beim Finanzamt Rosenheim geworden und war dort für die Einführung der Mehrwertsteuer zuständig, die 1968 in Kraft getreten ist. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich Vorträge für Unternehmen im Chiemgau gehalten und diese dabei unterstützt, mit der Mehrwertsteuer erfolgreich umzugehen. Da habe ich gemerkt, dass es mir viel mehr Spaß machen würde mit Vorträgen Geld zu verdienen anstatt Beamter zu sein.

FIDARO: Das war dann sozusagen die Geburtsstunde dessen, was knapp 20 Jahre später zum Steuerrechts-Institut KNOLL geworden ist.
Walter Knoll: Genau. Zunächst war es allerdings lediglich eine sogenannte genehmigte Nebentätigkeit. Wir hatten zu Beginn in Kempten einen Lehrgang mit 48 Teilnehmern; davon haben 47 die Prüfung bestanden. Der Einzige der nicht bestanden hat, war ausgerechnet der Sohn des stellvertretenden Finanzamtvorstehers in Kempten, der sich mehr für die weiblichen Kursteilnehmerinnen als für das Steuerrecht interessiert hat.

Eine sehr beeindruckende Quote, wenn man sich vor Augen hält, dass die durchschnittliche Durchfallquote bei circa 40% liegt. Wie ging es dann weiter?
Dann bin ich als persönlicher Referent des Oberfinanzpräsidenten nach München versetzt worden und habe deshalb die weiteren Vorbereitungskurse nach München verlegt. Damals haben in Bayern etwa 400 Bewerber die Steuerbevollmächtigtenprüfung und weitere 80 die Steuerberaterprüfung abgelegt. Wir hatten im Nu einen Anteil von 60% der Prüfungsbewerber.

Aber das alles noch während Sie hauptberuflich Beamter waren?
Ja, aber ich habe immer mehr festgestellt, dass man nicht beides parallel machen kann. Ich haben dann mit bereits 52 Jahren beschlossen, aus dem Staatsdienst auszuscheiden.

 

Zitat Steuerberater FIDARO Traunstein

Also da würde ich auch sofort aussteigen, wenn ich in der gleichen Position wäre
wie Sie

 

Eine sichere Stelle als gehobener Beamter aufzugeben für den ungewissen Gang in die Selbständigkeit. Was hat ihr Umfeld dazu gesagt?
Alle haben natürlich den Kopf geschüttelt. Ich kann mich noch wie heute erinnern als ich zu meinem damaligen Chef ins Büro gegangen bin um ihm meine Kündigung anzuzeigen. Der war natürlich erst einmal schockiert. Er hat mich dann gefragt, wie sich das rechnet. Meine Antwort war: „Vorsichtig kalkuliert mit dem Faktor drei.“ Seine Antwort: „Also da würde ich auch sofort aussteigen, wenn ich in der gleichen Position wäre wie Sie.“

Und wie kam Ihnen dann die Idee, den Fernkurs ins Leben zu rufen? Heute ist die Konkurrenz auf diesem Gebiet sehr groß, aber Sie waren damals ja absoluter Vorreiter.
Im Grunde genommen kam die Idee von Kursteilnehmern, die nicht mehr von Passau oder Lindau aus zweimal die Woche nach München fahren wollten, um dann an unseren Kursen teilzunehmen. Die haben mich eines Tages gefragt: „Herr Knoll, können Sie uns die Lehrbriefe und Klausuren nicht per Post zuschicken?“ Die Einführung des Computers hat natürlich auch dabei enorm geholfen, weil das sehr viel Zeit erspart hat.

Wenn ich richtig gerechnet habe, befinden wir uns jetzt Mitte der 80er-Jahre. Sie hatten damals schon einen Computer?
1986 um genau zu sein. Allerdings haben die beiden Computer damals noch 20.000 Deutsche Mark pro Stück bei der IBM gekostet, was natürlich eine irrwitzige Summe war. Aber das war der beste Schritt, den wir machen konnten. Bis dahin war ich der große Klebemeister, vor allem wenn es darum ging, Jahreszahlen von Klausuren abzuändern. Ich habe lauter kleine Zettel geschnitten und die alten Jahreszahlen überklebt. Mit dem Computer ging das auf einmal alles elektronisch.

Ein solcher Fernkurs besteht ja aus einer Menge Übungsklausuren und Lehrbriefen. Wie lange haben Sie gebraucht, bis der erste Kurs mit allen nötigen Materialien vorbereitet war?
Im Voraus alles fertig zu haben, hätte gar nicht funktioniert. Wir haben das Unternehmen zu viert gegründet und waren alle extrem fleißig. 1988 sind wir mit den Fernlehrgängen gestartet und jeder hatte im ersten Jahr jeweils nur 10 Tage Zeit, um einen Lehrbrief zu erstellen. War man mit dem einen fertig, stand auch schon der nächste an. Und jeder dieser Lehrbriefe hatte zwischen 30 und 40 Seiten, die man wissenschaftlich erarbeiten musste, und wo es keinen Spielraum für Fehler gab. Sie können sich vorstellen, dass das sehr viel Arbeit war.

 

Zitat Steuerberater FIDARO Traunstein

Das bedeutet, dass über 60% aller angehenden Steuerberater in Deutschland
an unseren Kursen teilgenommen haben

 

Wie lange hat es dann gedauert, bis sich der Erfolg eingestellt hat?
Das ging sehr schnell. Der Höhepunkt war Mitte der 90er Jahre. Ich kann mich noch erinnern, dass wir in den Jahren ab 1995 3.500 Fernkursteilnehmer auf die Steuerberaterprüfung vorbereitet haben. Das bedeutet, dass über 60% aller angehenden Steuerberater in Deutschland an unseren Kursen teilgenommen haben. Und das heißt auch, dass wir jeden Mittwoch 3.500 Briefe manuell sortiert und per Post verschickt haben.

Wenn man die Anzahl der Kursteilnehmer mit den Kursgebühren multipliziert, wird einem sehr schnell klar, wie lukrativ das damals war. Wie konnten Sie so schnell einen so großen Marktanteil erlangen?
Wir wussten natürlich, dass wir diese hohe Teilnehmerzahl nicht auf Dauer würden halten können, und die Konkurrenz bald nachziehen würde. Aber zu diesem Zeitpunkt war unser Angebot schlicht und ergreifend weitaus erfolgversprechender als das, was in den Vorbereitungslehrgängen vor Ort angeboten wurde.

Was haben Sie denn bei Ihrem Kurs anders gemacht als die Konkurrenz?
Da hat mir mein vorausgegangenes juristisches Studium geholfen, von dem ich das Wissen für unser Konzept mitgebracht habe. Die schriftliche Steuerberaterprüfung besteht aus drei Prüfungsklausuren, die jeweils auf sechs Stunden angelegt sind. Also mussten wir den Teilnehmern beibringen, wie man Klausuren schreibt. Bei den Lehrgängen der Konkurrenz hatten deren Kursteilnehmer meist lediglich am Ende der Prüfungsvorbereitung wenige Klausuren zu bearbeiten, die kein Prüfungsniveau hatten. Und bei uns waren es 60 und mehr Klausuren, die den Kursteilnehmern das abverlangten, was in der Steuerberater-Prüfung gefragt war.

 

Zitat Steuerberater FIDARO Traunstein

Klausuren schreiben ist das ausschlaggebende Element!

 

Also lautet der wichtigste Tipp, den Sie angehenden Steuerberatern bei der Vorbereitung auf die Prüfung geben können: Klausuren schreiben, Klausuren schreiben, Klausuren schreiben!
Genau so ist es! Klausuren schreiben ist das ausschlaggebende Element! Und das haben wir wirklich perfektioniert. Am Ende der Prüfungsvorbereitung lagen unsere Klausuren teilweise sogar ein gutes Stück über dem Schwierigkeitsgrad in der Prüfung. Oft haben die Prüfungsteilnehmer dann gesagt: Die Prüfung war für uns ein Klacks.

Was gilt es außerdem noch bei der Prüfung zu beachten?
Sich bei der Klausurbearbeitung so knapp wie möglich zu fassen und nichts Überflüssiges zu schreiben. Dort wo es um Selbstverständlichkeiten geht, genügt ein Satz. Wenn der angehende Steuerberater das kapiert, hat er schon viel gewonnen.

Sie und Ihre Kollegen haben so viele angehende Steuerberater und Steuerberaterinnen begleitet, wie wohl kaum sonst jemand. Wer sind die erfolgreichsten Kandidaten?
Im Spaß habe ich den Teilnehmern immer mal wieder gesagt: Bemühen Sie sich, dass Ihr Scheidungstermin nicht mit dem Prüfungstermin zur Steuerberaterprüfung zusammenfällt. Was ich damit sagen wollte: Man muss sich voll darauf konzentrieren und darfüber viele Wochen nichts anderes tun, als sich auf die schriftliche wie auch auf die mündliche Prüfung vorzubereiten.

Welchen Kandidaten gelingt das besonders gut?
Das waren im Normalfall auf den ersten Blick ganz unscheinbare, meist weibliche Teilnehmer, die durch nichts davon abzubringen waren, sich gezielt vorzubereiten. Da haben die Juristen und Diplomkaufleute nur gestaunt, wenn sie deren Noten aus der schriftlichen Prüfung erfahren haben!

Die ersten Jahre einer Selbständigkeit sind ja immer von extremen Höhen und Tiefen geprägt. Noch dazu wenn man sich, wie Sie, mit einem Fernkurs für angehende Steuerberater auf neues Terrain wagt. Was ist die kurioseste Geschichte aus dieser Zeit?
Da gibt es tatsächlich eine über die ich heute noch oft schmunzeln muss. Ich bin in der Vorbereitung auf den ersten Fernkurs darauf aufmerksam gemacht worden, dass es eine Stelle gibt, die sich mit Fernunterreicht beschäftigt: die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht in Köln. Daraufhin habe ich dort angerufen und deren Antwort war, dass ich auf gar keinen Fall mit dem Kurs beginnen dürfe, bevor ich nicht das komplette Lehrmaterial für das kommende Jahr dorthin zur Vorabprüfung schicke. Für einen Steuerrechts-Lehrgang eine absurde Vorstellung.

Aber Sie hatten ja noch überhaupt kein Kursmaterial oder?
Richtig, wir hatten noch keinen einzigen Lehrbrief fertig. Ich habe dann den notwendigen Antrag auf Zulassung einfach nicht gestellt. Aber natürlich kam schon kurze Zeit später der nächste Brief aus Köln. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Behörde immer mindestens vier Wochen gebraucht hat, um Antwort auf meine Briefe zu geben. Also habe ich mir mit der Beantwortung ihrer Briefe einfach auch vier und mehr Wochen Zeit gelassen. Auf diese Weise haben wir es geschafft, tatsächlich ein ganzes Kursjahr ablaufen zu lassen, ohne die notwendige Zulassung zu haben.

Was natürlich nicht lange gut gehen konnte…
Natürlich nicht. Der Chef der Behörde hat unsere Taktik schnell durchschaut und mich eines Tages in diesem ersten Jahr wutentbrannt um 07.30 Uhr morgens angerufen, worauf ich ihm wenig gentlemanlike geantwortet habe. Wir haben dann ein Bußgeld von damals 10.000 Deutschen Mark aufgebrummt bekommen. Was wir allerdings damals bereits aus der Portokasse bezahlen konnten. Letztendlich bin ich dann mit meiner Frau nach Köln zu der Behörde gefahren, wir haben eine Regelung gefunden und sind gute Freunde mit dem Leiter der Behörde und seinen Beamten geworden.

Zitat Steuerberater FIDARO Traunstein

Die wichtigste Eigenschaft ist aus meiner Sicht die Kundenorientierung

 

Innerhalb von so kurzer Zeit einen Markt praktisch aus dem Nichts aufzumischen, ist eine sehr beeindruckende Erfolgsgeschichte. Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht am wichtigsten, um sich erfolgreich selbständig zu machen?
Die wichtigste Eigenschaft ist aus meiner Sicht die Kundenorientierung. Und man muss sich rund um die Uhr mit dem Unternehmen beschäftigen und sich ständig überlegen: Was kann ich tun um mein Produkt noch besser am Markt durchzusetzen. Außerdem muss man sein Ohr immer am Puls der Zeit haben. 1986 zwei Computer für damals aberwitzig teure 40.000 Deutsche Mark zu kaufen, war rückblickend eine der besten Entscheidungen die wir je getroffen haben. Erst die rasante Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung hat unsere Fernlehrgänge ermöglicht.

Dies ist ein Artikel der Steuerkanzlei FIDARO, dem Sparringspartner für unternehmerische Weiterentwicklung.

Logo Steuerberater Steuerkanzlei FIDARO

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentieren

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

FIDARO Steuerkanzlei Daniel Ringer

  • Gastager Feld 11, 83313 Siegsdorf
  • +49 (0) 8662 20 02 79 0
  • willkommen@fidaro.de

Newsletter

Verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr.
Melden Sie sich hier für unseren monatlichen Newsletter an